kolping.gif (80108 Byte)

kolpin1.jpg (19755 Byte)          kolping2.jpg (80108 Byte)      kjlogo.gif (3733 Byte)

Gustav Braun               Felix Seufert

Aus der Geschichte unserer Kolpingsfamilie

Untrennbar mit der Kolpingsfamilie Thundorf ist der Name ihres Gründers und ersten Präses, Pfarrer Felix Seufert verbunden. Seine besondere Fürsorge für die Jugend und für die Jugendarbeit im Geiste Adolf Kolpings stammt schon aus seiner 10 jährigen Kaplanszeit in Miltenberg. 1932 übernahm Pfarrer Seufert die Pfarrei Thundorf mit den Filialen Rothhausen und Theinfeld. Auch hier schloß er von Anfang an die Jugend, die zu diesem Zeitpunkt überwiegend im 1909 gegründeten Burschenverein organisiert war, in sein Herz. Sie zu fördern und nach den Wertvorstellungen Adolf Kolpings zu formen galt seine ganze Hingabe.

Hermann Braun - erster Senior der KF: "Tanzveranstaltungen an Samstagen wie Fasching und Kirchweih waren Pfarrer Seufert ein Dorn im Auge. Er fürchtete, daß seine Jugend negativen Einflüssen ausgesetzt wird und der Besuch der Sonntagsmesse darunter leiden könnte. Wiederholt ging er während der Tanzveranstaltung in die Kirche um dort bis zum Ende des Tanzvergnügens alleine zu beten".

Auch als später durch staatlichen Zwang jegliche kirchliche Jugendarbeit untersagt wurde, verstand es Pfarrer Seufert, die Jugend zusammen zu- halten und ihr das Gefühl der Gemeinschaft zu bewahren. Als dann die politischen Fesseln wieder fielen, hielt Pfarrer Seufert regelmäßig Heimabende und widmete sich immer stärker mit besonderer Energie der jungen Generation.

Gründungsmitglied Erwin Weisensee: "Heimabende waren in der Regel jeden Mittwoch. Pfarrer Seufert führte strenge Kontrolle, wer anwesend war. Bevor er zu aktuellen Themen referierte, wurde stets ein neues Lied einstudiert. Der erste Fernseher in Thundorf stand im Jugendheim. Ihn hatte Pfarrer Seufert selbst bezahlt. Er sorgte auch dafür, daß die Jugend nur gute Sendungen zu sehen bekam".    
Im April 1948 konnte er dann sein großes Ziel verwirklichen und auch in Thundorf eine Kolpingsfamilie ins Leben rufen. Am 29. August 1948 wurde das Gründungsfest gefeiert. Seine besondere Verbundenheit zu Kolping wird auch dadurch deutlich, daß Pfarrer Seufert für die Anfertigung der ersten Kolpingfahne sein eigenes Bettuch zur Verfügung stellte.


Von den damaligen Gründungsmitgliedern, unter denen Burschen aus den drei Pfarreigemeinden waren, gehören der KF Thundorf noch heute als Mitglieder an:

wpe79.jpg (151549 Byte)

Erwin Weisensee Alfons Grünewald Karl Grünewald Rudolf Saal Ludwig Klopf
Thundorf Rothhausen Rothhausen Thundorf Rothhausen


Als Versammlungsraum stand der Kolpingsfamilie schon damals das Jugendheim zur Verfügung, das bereits vor der Gründung in der ehemaligen Pfarrscheune eingerichtet worden war. Inzwischen ist in diesem Gebäude nach einer Sanierung der Kindergarten untergebracht und der Kolpingsfamilie stehen im Pfarrzentrum, das in Verbindung mit der Erweiterung der kath. Pfarrkirche im Seitenflügel des Wasserschlosses entstanden ist, Räume zur Nutzung zur Verfügung.

Schon kurze Zeit nach der Gründung nahmen Mitglieder der KF Thundorf an einem internationalen Treffen in Köln teil. Bis zum heutigen Zeitpunkt werden regionale und auch internationale Treffen und Veranstaltungen des Kolpingwerks durch Abordnungen besucht und die Mitglieder erleben dabei stets den im Kolpingwerk besonderen familiären Gemeinschaftsgeist. Daraus entstand neue Motivation für Aktivitäten im örtlichen Bereich.

Gründungsmitglied Alfons Grünewald: "Über viele Jahre gehörte bei Kolpingfesten und Kongressen die dunkle Hose und ein weißes Hemd zum Erscheinungsbild. Schon lange zuvor hatte Präses Seufert in Thundorf diese einheitliche Kleidung eingeführt, obwohl er dafür manche Kritik einstecken mußte (Vergleiche mit einer Uniform). Die Bildungsarbeit hatte bei Pfarrer Seufert großen Stellenwert, weil die Jugend durch Krieg und Arbeit -meist in der elterlichen Landwirtschaft-, erheblichen Nachholbedarf hatte".

Schon sehr frühzeitig war es für die KF Thundorf eine Selbst-verständlichkeit, sich auch für ausländische Gastarbeiter zu öffnen um ihnen in der Gemeinschaft Hilfe zu sein für eine bessere Integration in die Dorfgemeinschaft. Immer wieder im Laufe der Vereinsgeschichte wurde versucht, durch die Aktivierung der Jungkolpinggruppen dafür zu sorgen, daß junge Menschen in die Kolpingarbeit hineinwachsen konnten. Leider ist es seit einigen Jahren nicht mehr gelungen, Jugendliche neu für die KF zu motivieren. Während die Kolpingsfamilie in den ersten 20 Jahren ihrer Vereinsgeschichte davon profitierte, daß sie als nahezu einziger Verein dem kulturellen Leben in der Pfarrei den Stempel aufdrückte, ist inzwischen das Angebot für die Jugend durch eine Reihe anderer Vereine wesentlich größer geworden. Neue Mitglieder dürften deshalb zukünftig vor allem über eine verstärkte Einbindung junger Familien zu gewinnen sein.

Vorreiter war die Kolpingsfamilie Thundorf auch bei der Aufnahme von evangelischen Mitchristen und besonders bei der Einbindung von Mädchen in die Gemeinschaft. Für die Aufnahme der ersten weiblichen Mitglieder im Jahre 1962 war zum damaligen Zeitpunkt sogar eine Sondergenehmigung durch den Generalpräses erforderlich.
In den ersten Jahren nach der Gründung waren es vor allem die regelmäßigen Heimabende, die das Vereinsleben bestimmten. In der Folgezeit prägte die Kolpingsfamilie immer stärker das kulturelle Angebot für die Dorfgemeinschaft. Ihre Blütezeit erlebte die KF vor allem in den 60iger und 70iger Jahren. Wertvolle Seminare und Vortragsabende, die oft sehr gut besucht waren, vermittelten den Teilnehmern gesellschaftspolitische Informationen und praktische Ratschläge.

Unterhaltung und Geselligkeit kamen -ganz nach der Idee Adolf Kolpings- ebenfalls nicht zu kurz. Erlebnisreiche Ausflüge, regelmäßige Theateraufführungen und ausgezeichnete Faschingsveranstaltungen füllten das Programm. Theater und Faschingssitzung wurden dann später im Wechsel und in Zusammenarbeit mit dem Sportverein weitergeführt.


Lange Tradition haben bis heute Veranstaltungen wie das Abbrennen des Johannisfeuers oder das Muttertagsessen als Dank an die Mütter für ihren Einsatz in den Familien. Seniorennachmittage und die jährliche Kolpinggedenkfeier waren immer fester Bestandteil der Thundorfer Kolpingarbeit. In der Blütezeit der Kolpingsfamilie beteiligte sich über Jahre hinweg eine Fußballmannschaft an den Kolping-Bezirks-meisterschaften und trug Freundschaftsspiele aus. Der Fotoclub gab Gelegenheit, dieses schöne Hobby weiterzuentwickeln und in der Dunkelkammer das Entstehen der eigenen Fotos zu verfolgen.

Erstmals wurde im Jahre 1965 hinter den alten Linden ein Waldfest gefeiert und gehörte dann über mehrere Jahre zu den beliebtesten Veranstaltungen im Ort. 1967 richtete die örtliche KF mit einem eindrucksvollen Programm den Bezirkstag aus. Anfang der 80iger Jahre, die KF hatte bereits über 100 Mitglieder, gaben zwei aktive Familienkreise Gelegenheit zur Begegnung und Diskussion.

Aber auch für die Gemeinschaft der Dorfbevölkerung leisteten Kolping-mitglieder ihren Beitrag. So wurde bereits 1963 durch freiwillige Eigenleistung der Mitglieder und des Vereins ein Kinderspielplatz an der Theinfelder Straße errichtet. 1974 beteiligten sich Mitglieder der KF durch freiwillige Arbeitsstunden am Bau des neuen Leichenhauses. 1978 wurde das 30jährige Jubiläum gefeiert und mit einer Spende von 12 000 DM der Ausbau des alten Pfarrhauses zum Jugendzentrum unterstützt. 1982 wurde im Schloßpark durch die Kolpingsfamilie eine Marienkapelle errichtet. 1985 trug die KF mit einer beachtlichen Spende zum Bau der Michaelskapelle bei. Mit einem Kostenaufwand von 7 000 DM wurde im Jahre 1992 eine Kolpingstatue für die Kirche angeschafft.

Die Kolpingsfamilie hat sich in der Vergangenheit wiederholt auch in die Kommunalpolitik eingemischt und Kolpingsöhne trugen als Gemeinderäte Mitverantwortung für die Gemeinde. Durch Bürgermeister Felix Braun wird die Gemeinde Thundorf nunmehr schon seit 1972 von einem Kolpingsohn geführt. Die bis heute sehr aktive Ortsgrupe des Malteser-Hilfsdienstes kann ihre Gründung im Jahre 1967 auf die Kolpingsfamilie zurückführen. Was 1982 mit Hilfspaketen für Polen begann fand später bis in die Gegenwart mit wiederholten Hilfsaktionen für Rumänien die Fortsetzung. Im Jahre 1997 waren Wiltrud und Anton Bauernschubert, sowie Hilmar Kehl zwei Wochen an einem Arbeitseinsatz beim Bau eines Feriendorfes in Ivo/Rumänien (Ostkarpaten) beteiligt.

Besondere Höhepunkte waren die Jubiläumsfeste 1963 und 1973. Im Jahre 1963 wurden nicht nur 15 Jahre KF Thundorf gefeiert, sondern auch der Gründung des Burschenvereines vor 50 Jahren gedacht. Unvergessen bleibt den Teilnehmern der Festzug, der nach den Ideen von Präses Pfarrer Seufert zusammengestellt worden war und eindrucksvolle Szenen aus dem Leben und Wirken Adolf Kolpings darstellte.

Mit einem großartigen und abwechslungsreichen Festprogramm wurde im Jahre 1973 das 25 jährige Jubiläum gefeiert, dem der spätere bayerische Ministerpräsident Dr. hc Franz Josef Strauß mit seinem Besuch und seiner zweistündigen, eindrucksvollen Festrede den besonderen Stempel aufdrückte. Zum damaligen Zeitpunkt erlebte die KF Thundorf eine besonders aktive Phase ihrer Geschichte, wobei vor allem Anton Friedrich, geprägt durch Pfarrer Seufert, zum Motor der Thundorfer Kolpinggemeinschaft geworden war.

wpe78.jpg (102728 Byte)

Vorsitzender Gustav Braun (links) und der damalige Präses Oskar Pflüger (rechts) bedanken sich bei Franz Josef Strauß für sein Kommen zum Kolpingjubiläum im Jahre 1973.


Pfarrer Seufert wurde für seinen unermüdlichen und selbstlosen Einsatz zum Ehrenpräses ernannt. 1964 trat er aus gesundheitlichen Gründen in den Ruhestand. Bereits wenige Monate später, im September 1964 verstarb er in seiner Heimatgemeinde Steinfeld, wo Kolpingmitglieder aus Thundorf die Totenwache hielten.

Mit Pfarrer Oskar Pflüger konnte die Pfarrei schon am 27. September 1964 einen neuen Seelsorger und die Kolpingsfamilie einen neuen Präses begrüßen. Auch er war beseelt von der Idee Adolf Kolpings und ihm war es entscheidend mit zu verdanken, daß die örtliche Kolpingsfamilie immer wieder neue Impulse bekam und in diesen Jahren bis zu seinem Weggang im Jahre 1982 ihre erfolgreichste Phase erlebte. Aber der veränderte Zeitgeist machte auch vor der KF nicht halt. Weitere Vereine boten neue Betätigungsmöglichkeiten. Fernsehen, Auto und nachlassende Bereitschaft, sich für eine Gemeinschaft zu engagieren, waren zumindest einige Gründe dafür, daß die KF ihren ursprünglichen hohen Stellenwert in der Gemeinde teilweise eingebüßt hat.
Gründungsmitglied Erwin Weisensee: "Nach dem Krieg bis in die 60iger Jahre war für die Jugend die Teilnahme an den Kolping-Heimabenden oft die einzige Möglichkeit, abends von daheim fortzukommen. Vielleicht hatte die KF auch deswegen damals einen guten Zulauf. Diese Zeiten haben sich aber inzwischen gewaltig geändert.“

Im Jahre 1983 kam Pfarrer Rudolf Heller nach Thundorf und übernahm als Präses eine Kolpingsfamilie mit immerhin 133 Mitgliedern. In seiner Amtszeit bis 1991 hatte der bereits eingetretene Priestermangel dazu geführt, daß er sich nicht so intensiv wie seine beiden Vorgänger der KF annehmen konnte. Besonders die Jugendarbeit und die Aktivitäten von Jungkolping litten in dieser Zeit. Häufiger Priesterwechsel in der Folgezeit -von Kaplan Eichwald über Pfarrer Hegler, Kaplan Siwerski bis Pfarrer Oitzinger- war nicht dazu geeignet eine Kontinuität in die Kolpingarbeit zu bringen.

Seit Beginn des Jahres 1998 hat die KF mit Pfarrer Gerhard Hanft wieder einen neuen, jungen Präses und erhofft sich in Verbindung mit dem fälligen Generationswechsel in der Vorstandschaft wieder neuen Schwung. Dazu kann auch die Feier des Jubiläums am 29./30.August 1998 beitragen.

Die Geschicke unserer Kolpingsfamilie während der 50 Jahre lenkten im Amt des Seniors bzw. Vorsitzenden folgende Männer:

1. Hermann Braun 1948
2. Engelbert Ries 1948 - 1949

 3. Leo Braun

1950 - 1954

 4. Gustav Braun

1954 - 1958

 5. Günther Saar

1958 - 1962

 6. Anton Friedrich

1963 - 1965

7. AntonBauernschubert

   und

 Rainer Wolf 

1965
8. Waldemar Braun 1965 - 1967

 9. Philipp Bauernschubert 

1967 - 1969

10. Anton Friedrich

1970 - 1971

11. Gustav Braun

1971 - 1998

(Anton Bauernschubert)